Das ist Fairer Handel: Prinzipien und Aspekte

Feb 29, 2012 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Allgemein

Der Faire Handel soll in erster Linie Kleinbauern in den Entwicklungsländern unterstützen, die nur wenig von der Produktion ihrer Produkte profitieren. Aufgrund der kleinen Produktionsmengen sowie der fehlenden Infrastruktur zum Vertrieb ihrer Produkte, können sie ihre Produkte nicht direkt an die Importeure verkaufen und am internationalen Handel partizipieren.
Die Kleinbauern sind daher auf Zwischenhändler angewiesen, die ihnen ihre Produkte abkaufen und sie mit Information versorgen. Daraus folgt, dass einerseits die Zwischenhändler ihre Preise zu ihrem eigenen Vorteil gestalten können, andererseits werden die Produzenten nur unzureichend mit Informationen hinsichtlich Marktpreis und Qualitätsanforderungen versorgt.
Im Fairen Handel erfolgt der Export in die Industrieländer dagegen direkt und der Zwischenhandel wird weitgehend ausgeschaltet. Außerdem stärken die Produzenten (in erster Linie Kleinbauern) ihre Position, indem sie sich zu Kooperativen zusammenschließen.

Die Bedingungen, unter denen der Fairer Handel zwischen den Organisationen und Unternehmen stattfindet, können variieren, unterliegen aber gemeinsamen Prinzipien. Diese Prinzipien können aber ebenfalls unterschiedlich interpretiert werden.
Grundsätzlich können die Prinzipien folgenden drei Dimensionen zugeordnet werden:

  • Ökologie: Erhaltung von Natur und Ökosystemen für nachfolgende Generationen.
  • Ökonomie: Verantwortungsvoller Umgang mit ökonomischen Ressourcen und mit dem Ziel der Wohlstandsvermehrung.
  • Soziales: Entwicklung einer Gesellschaft, an der alle Menschen in gleichem Maße partizipieren.

Als Gesamtkonzept beinhalten diese Prinzipien wiederum folgende Bestandteile:

  • Preis: Es wird ein Mindestpreis für die zu abnehmenden Produkte sowie ein “Fair-Trade-Aufschlag” gezahlt. Dies gilt primär für landwirtschaftliche Produkte, die eine geringe Preiselastizität auszeichnet. Die Preise orientieren sich an den realen Lebenserhaltungskosten der Produzenten und nicht an den gesetzlichen Mindestlöhnen der Länder. Sie werden von der Kooperation FINE, dem Zusammenschluss der Dachverbände Fair Trade Labelling Organisation (FLO), International Fairtrade Association (IFTA), Network of European Worldshops (NEWS!) und European Fair Trade Association (EFTA), festgelegt.
    Über die Verwendung des Erlöses entscheiden die Mitglieder der Kooperativen oder Organisationen gemeinsam. Er soll in die Sicherung und Verwirklichung gemeinschaftlicher Projekte fließen. Neben Projekten, die die Verbesserung der Produktion betreffen, handelt es sich um Projekte zur Vebesserung der Lebensbedingungen der Produzenten, wie beispielsweise dem Bau von Schulen.
  • Finanzierung: Die Produzenten bekommen einen Teil des Kaufpreises im Voraus ausgezahlt. Damit erhalten sie die notwendigen finanziellen Mittel, um beispielsweise Rohstoffe und Saatgut zu kaufen oder Produktionsanlagen zu nutzen. Die Produzenten sind nicht auf lokale Kreditverleiher angewiesen, die oftmals überzogene Zinsen verlangen.
  • Handelsbeziehungen: Die Handelsbeziehungen sind auf eine langfristige Zusammenarbeit angelegt. Der Handel findet direkt zwischen den Parteien in den Enwicklungs- und Industrieländern statt; der Zwischenhandel wird weitgehend ausgeschaltet. Dadurch wird den Produzenten ermöglicht, ihre Produktion sowie den Vertrieb ihrer Produkte, das heißt ihre Wirtschaftlichkeit, zu planen.
    In diesem Zusammenhang spielt der Zusammenschluss der Produzenten zu Kooperationen bzw. Genossenschaften eine wichtige Rolle. Denn durch die Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur für Produktion und Vertrieb, werden die Kosten gesenkt und die Erlöse erhöht.
  • Arbeitsbedingungen: Die international festgelegten Menschenrechte sind die Grundlage für die Gestaltung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Kernarbeitsnormen sind Bestandteil der ILO-Standards. Wichtige Aspekte sind hierbei:
    - Das Recht auf Versammlungsfreiheit.
    – Das Recht zur kollektiven Verhandlungsführung.
    – Der Verbot von Zwangsarbeit und Kinderarbeit.
    – Der Verbot von Diskriminierung.
    Weitere Aspekte sind die Föderung der Gleichstellung sowie Unabhängigkeit von Frauen, Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme sowie bestimmte Sozialleistungen wie Gesundheitsvorsorge.
  • Umwelt: Der Faire Handel fordert und fördert eine ökologisch verträgliche Produktion. Dies geschieht, indem verbindliche Standards festgelegt werden, die die Produktions- und Anbaumethoden betreffen und die die Produzenten erfüllen bzw. anstreben müssen. Die Produzente werden bei der Umstellung von den Fair-Handelsorganisationen mit praktischen und theoretischen Hilfestellungen unterstützt.
    Maßnahmen, die die Umstellung betreffen sind:
    - Eine umweltgerechte Abwasserversorgung.
    – Die Umstellung der Schädlingsbekämpfung auf ökologische Methoden.
    – Die Vermeidung von Monokulturen.
    – Außerdem werden produktspezifische Standards festgelegt.

Die Dreidimensionalität des Fairen Handels entspricht dem Konzept von nachhaltiger Enwicklung, wie sie in der Präamble zum EU-Vertrag enthalten ist.

Bereits auf der “United Nations Conference on Environment and Development (UNCED)”, hat sich die Völkergemeischaft zum Leibild nachhaltiger Entwicklung bekannt.

Quelle und Literaturhinweis: Hauff, Michael von; Claus, Katja: Fair Trade. Ein Konzept nachhaltigen Handels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, 2012.



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